Wie Reisen unseren Blick verändern – und was davon bleibt.
Manche Orte bleiben uns noch lange in Erinnerung, nachdem wir sie verlassen haben.
Oft sind es gerade die kleinen Dinge, die uns später wieder einfallen: ein besonderes Licht, die Farben eines Sonnenuntergangs, die Atmosphäre eines Ortes. Vielleicht ein Gespräch mit einem Fremden. Oder ein Augenblick, der uns auf einmal etwas ganz anders sehen ließ.
Genau das schätze ich am Reisen: Es bringt uns mit Dingen in Berührung, die wir noch nicht kennen, und lässt uns manchmal auch das Vertraute neu betrachten.
Inspiration, Perspektiven und das Unerwartete
Als Künstlerin faszinieren mich besonders die visuellen Details der Orte, die ich besuche. Verwitterte Wände, vielschichtige Oberflächen, Spuren und Linien, die die Zeit hinterlässt. Manchmal ist es ein kleines Detail, das mir im Gedächtnis bleibt, obwohl ich zunächst gar nicht genau sagen kann, warum es meine Aufmerksamkeit geweckt hat.
Was ich unterwegs erlebe, fließt fast immer auf ganz unerwartete Weise in meine Bilder ein. Die Orte, die ich besuche, und die Eindrücke, die ich von dort mitnehme, prägen meinen Blick auf die Welt und beeinflussen, wie ich auf das reagiere, was mich umgibt.
Was von einer Reise bleibt?
Nicht alles, was wir von einer Reise mit nach Hause bringen, passt in einen Koffer. Manche Erfahrungen lassen sich schwer erklären. Wir erinnern uns vielleicht an ein Gefühl, das wir damals hatten, oder daran, dass etwas danach für uns anders war. Nicht immer können wir genau sagen, was uns daran so geprägt hat.
In meiner Malerei interessiert mich, solchen Empfindungen Ausdruck zu geben. Ich versuche nicht, eine Erinnerung nachzuerzählen. Vielmehr geht es mir darum, wie sich diese Gefühle in Farbe, Struktur, Schichten und im Zusammenspiel von Linien und Formen ausdrücken lassen. So entsteht eine eigene Bildsprache für etwas, das sich nicht immer leicht in Worte fassen lässt.
Ohne Landkarte weitergehen
Beim Reisen lässt sich nicht alles vorhersehen. Auch beim Malen weiß ich nicht, wohin mich ein Bild führen wird.
Braucht es einen mutigen Schritt oder eine Pause? Muss ich etwas überarbeiten, zurücknehmen oder stärker hervorheben?
Diese Fragen kann ich nicht im Voraus beantworten. Ich muss etwas ausprobieren, um herauszufinden, ob es funktioniert. Manchmal muss ich eine Entscheidung revidieren, von der ich zunächst überzeugt war. Und manchmal zeigt sich der nächste Schritt erst, wenn ich ihn gewagt habe.
Ist es im Leben nicht ähnlich?
Wir machen Pläne, haben Erwartungen und versuchen uns vorzustellen, wie sich die Dinge entwickeln werden. Doch manchmal zeigt sich erst im Nachhinein, was eine Erfahrung für uns bedeutet hat.
Vielleicht müssen wir nicht auf alle Fragen eine Antwort haben, bevor wir weitergehen.
Vielleicht geht es manchmal einfach darum, neugierig zu bleiben, unsere Vorstellungen zu hinterfragen und zuzulassen, dass das Leben uns in Richtungen führt, die wir selbst nicht vorausgesehen hätten.
Kennst du das auch?
Gibt es einen Ort, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist? Oder eine Erfahrung, die deinen Blick auf etwas verändert hat?

