Dem Bild wirklich zuhören
Dem Prozess vertrauen
Es hat lange gedauert, „Grounded 1 & 2“ zum Leben zu bringen. Diese langen, schmalen Bilder (30 x 180 cm) sind ein Werk der Geduld und des Vertrauens in den Prozess. Jede Stunde, die ich damit verbracht habe, Farbe, Komposition und Rhythmus zu gestalten, trägt zu ihrer Präsenz bei.
Ein „Totem“ ist in der Regel ein hohes, schlankes Kunstwerk, das oft kulturelle Symbolik, Spiritualität oder erzählerische Elemente vermittelt.
Ich habe gelernt, dass schmale, vertikale Arbeiten eine eigene Herangehensweise an die Komposition verlangen. Während ich immer darauf achte, visuelles Interesse zu erzeugen, haben mich diese Panele noch stärker darauf gelenkt, eine fein abgestimmte, subtile Reise entlang der Länge des Bildes zu gestalten.
Früher war ich oft frustriert, wenn ein Bild so lange auf sich warten ließ, bis es „geboren“ wurde. Die Totems lösten sich nicht vollständig und zeigten oft überhaupt nicht, wohin sie sich entwickeln wollten — selbst, wenn ich oft das Gefühl hatte, ihnen zeitweise sehr nahe zu sein. Viel länger als jemals erwartet verbrachte ich mit diesen beiden Kunstwerken, phasenweise starrköpfig mit dem Gesicht zur Wand, nach einer Pause ging es dann aber immer mit frischem Blick weiter, oft in eine komplett neue Richtung.
Mit der Zeit habe ich erkannt, dass all dies — das Warten, die Unsicherheit, die Herausforderungen — genau der ‚Ort‘ ist, an dem das Lernen passiert. Es gibt nichts, was in diesem Prozess verloren geht. Jede Pause, jeder Moment der Frustration eröffnet neue Einsichten und öffnet Türen zu Ideen, die ich sonst nicht erreicht hätte. Die Bilder, die mich am meisten herausfordern, zwingen mich, über meine Komfortzone hinauszugehen, lehren mich neue Lektionen und erweitern mein kreatives Repertoire.
Die Arbeit an diesen Bildern hat mir gezeigt, dass Fortschritt nicht geradlinig verläuft. Selbst wenn ein Bild noch ungelöst wirkt, formt es leise mein Verständnis, meine Technik und meine Vision. Der Widerstand ist kein Scheitern, sondern eine Einladung — eine Chance zu wachsen, zu erkunden und etwas zu entdecken, das ich mir vielleicht nie vorgestellt hätte.
Am Ende sind “Grounded 1” und “Grounded 2” mehr als nur Bilder — fast wie Begleiter, die den Raum, prägen. Ihre Präsenz spiegelt die Geduld, Ausdauer und das Vertrauen wider, die in ihre Entstehung geflossen sind, und sie tragen diese Energie in den Raum. Wer vor ihnen steht, kann die Stille und Spannung spüren, das Wachsen und die leise Auflösung — ein Beweis für die Kraft, dem Prozess zu vertrauen, den Herausforderungen zu begegnen und die Lektionen jedes Moments der Kreation willkommen zu heißen.
Ein Ausschnitt des Entstehungsprozesses von Grounded 1 & 2.

